Worauf es ankommt bei der Hundeerziehung
Sie müssen dafür sorgen, dass Sie selbst der Schlüssel für den Hund werden, der ihn zum Erfolg führt: nämlich zu etwas, was er gerne haben möchte oder was er gerne tun möchte. Jede Aktivität und jede Beendigung einer Aktivität sollte von Ihnen ausgehen. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Wenn ihr unangeleinter junger Hund z.B. losstürmt, sobald er andere Hunde sieht und dann mit den anderen ein ausgelassenes Spiel spielt, ist die Initiativ einzig vom Hund ausgegangen und das Verhalten ist durch das Spiel belohnt worden. Solcher Art selbstbelohnendem Verhalten sollten Sie vorbeugen, indem Sie verhindern, dass es auftritt (z.B. durch eine Leine). Als Alternative könnten Sie Ihrem Hund antrainieren, dass er beim Anblick anderer Hunde sich setzt und/oder zu Ihnen guckt. Als Belohnung für dieses von Ihnen erwünschte Verhalten können Sie ihn dann ableinen und mit einem Freigabewort ("Lauf" oder "ab") zu den anderen Hunden zum Spielen lassen. Nun lag die Entscheidung bei Ihnen. Weitere Beispiele für selbstbelohnendes Verhalten, das vermieden werden sollte:
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Ihr Hund jagt |
das Jagen ist die Belohnung |
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Ihr Hund stiehlt vom Tisch |
das leckere Fressen ist die Belohnung |
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Ihr Hund läuft aus Angst weit weg |
die Entfernung vom Beängstigenden ist Belohnung |
Weiterhin sollten Sie darauf achten, den Hund nicht unbewusst zu belohnen oder ihm zu gehorchen. Wenn Sie z.B. Ihren Hund trösten, sobald er vor etwas Angst zeigt, belohnen Sie die Angst mit der Folge, das sie verstärkt auftreten und nicht abgebaut wird. Weitere Beispiele wären:
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Ihr Hund stupst Sie an - Sie streicheln ihn |
gut gehört, Mensch! |
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Ihr Hund kommt mit der Leine im Maul angelaufen - Sie führen ihn spazieren |
gut gehört, Mensch! |
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Ihr Hund bettelt - Sie geben "nur ausnahmsweise" nach |
ein Verhalten, das nur gelegentlich zum Erfolg führt, tritt verstärkt auf (Lottospielen) |
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Ihr Hund bellt, wenn Besuch da ist - er bekommt Kauknochen, damit er still ist |
das Bellen war erfolgreich - er wird es öfter tun! |
Bei jeder Hundeausbildung ist die Konsequenz das A und O. Wenn Sie ein Verhalten nicht wünschen (z.B. Schlafen auf dem Sofa, Anspringen oder Betteln am Tisch), dann sollten Sie es nie zulassen oder zumindest zu unter Signalkontrolle stellen, dass der Hund immer Ihre Erlaubnis abwartet, ob er z.B. aufs Sofa darf. Der Hund kann nicht wissen, dass Sie heute die gute Bluse anhaben, und Anspringen heute verboten ist. Alle Familienmitglieder (und auch Sie selbst) sollten immer die gleichen Signale (Hörzeichen, Sichtzeichen, sonstige Zeichen) verwenden - also nicht einmal "Komm", einmal "Bello, hierher" und beim nächsten Mal "Hier" rufen. Erst recht versteht der Hund keine Vorträge wie: "Wie oft soll ich dich noch rufen, kommst du jetzt endlich....". Geben Sie Ihrem Hund nur Signale/Hörzeichen, von denen Sie sicher sind, dass er sie befolgen wird. Wenn die vordere Hälfte eines Hundes, der noch nicht sehr sicher im Herankommen auf Zuruf ist, energisch buddelnd in einem Mauseloch steckt, sollten Sie von einem Heranrufen absehen. Der Hund wird nicht kommen. Sie informieren ihn mit solcher Art Rufen nur darüber, dass Sie noch da sind, ihr Rufen aber für ihn keine weitere Bedeutung hat (denn er kann ja ohne Konsequenzen weiterbuddeln). Die Konsequenzen, die Verhalten hat, sind entscheidend für den Lernerfolg! Sie als Hundeführer müssen lernen, die Konsequenzen des Verhaltens Ihres Hundes zu steuern. Nur von Ihnen erwünschtes Verhalten führt den Hund zu dem, was er gerne haben möchte. Das kann Futter sein, aber auch ein Spiel mit Ihnen oder das Spiel mit anderen Hunden. Genauso kann es aber die Erlaubnis sein, aufs Sofa zu dürfen, ein Loch zu buddeln, Schnuppern zu gehen u.s.w..
Auch sollten Sie den Hund nicht vermenschlichen. Hunde können vieles besser als wir Menschen (riechen zum Beispiel). Manches können sie aber gar nicht. Ein schlechtes Gewissen haben beispielsweise, oder höflich sein. Wenn Ihr Hund von einem Jagdausflug zurückkommt, und Sie stehen mit angespannter Körperhaltung da und raunzen den Hund an, wo er gewesen sei, dann wird er sich Ihnen in unterwürfiger Haltung nähern. Aber nicht, weil er ein schlechtes Gewissen hat, sondern weil er ihre schlechte Laune erkennt und versucht, Sie zu beschwichtigen. Er reagiert auf Ihre Signale, nicht auf das, was er getan hat (die Jagd war nämlich schön...).
Ein Wort noch zur Rudelführerschaft, die vielfach als das Allheilmittel in der Hundeerziehung gesehen wird. Natürlich sollte die Führungsperson der Mensch sein, und nicht der Hund. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Initiativen von Ihnen ausgehen und Sie die Ressourcen kontrollieren, der Hund also keinen freien Zugang zu seinen Primärbestärkern hat. Es ist aber nicht so, dass der Rudelführer immer der Stärkste ist. Rudelführerschaft zeigt sich durch intelligentes, vorausschauendes Verhalten zu Gunsten aller Rudelmitglieder. Führungsqualifikation ist also mehr gefragt als körperliche Stärke. Am ehesten unterminieren Sie selbst Ihren Anspruch auf den Rang des Rudelführers, indem Sie - häufig aus falsch verstandener Tierliebe - dem Hund alles recht machen, ihm Vorrechte gewähren, auf seine Initiativen eingehen (streicheln, wenn er gestreichelt werden will) und durch inkonsequentes Verhalten, welches dem Hund das Gefühl gibt, Sie wüssten ja selbst nicht so recht, wo es langgehen soll. Ruhiges, gelassenes und überlegtes Führen durch Ressourcenkontrolle bringt mehr, als seinem Welpen zu zeigen "wer der Boss ist".
| Das Ergebnis
Ihrer Mühe wird ein wohlerzogener Hund mit ausreichend Freiheit sein, denn
nur ein Hund, der zuverlässig gehorcht, hat auch die Freiheit, ohne Leine
laufen zu dürfen. Ihr Hund wird Sie als vertrauenswürdige und verlässliche
Führungsperson akzeptieren und selber ausgeglichener sein als ein Hund, der
nicht weiß, woran er ist, oder seinen Hundeführer sogar für unberechenbar
aggressiv hält (und daher Meideverhalten zeigt), weil sein Mensch ihn für
Dinge bestraft, die zu seinem natürlichen Verhaltensspektrum gehören ohne
ihm zunächst die Chance zu geben, das vom Menschen erwünschte Verhalten zu
erlernen.
Bild rechts: |
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