Parcoursbegehung
Nach dem Aufbau und
Ausmessen des Parcours durch den Richter hat jeder Hundeführer ohne
seinen Hund Gelegenheit, den Parcours zu begehen und sich seinen Weg
einzuprägen. In der
Regel beträgt die Dauer dieser Parcoursbegehung 5 Minuten. Das ist keine
besonders lange Zeit, erst recht, wenn der Hundeführer sehr aufgeregt ist. Es
macht daher durchaus Sinn, dem Richter bereits beim Aufbau, spätestens aber beim
Ausmessen des Parcours zuzusehen. So kennt man die Reihenfolge bereits etwas
früher.
Bei der Begehung geht es nicht nur darum, sich zu merken, in welcher Reihenfolge die Hindernisse zu nehmen sind, sondern vor allem um die Vorbereitung des Laufs in Bezug auf den richtigen Weg des Hundeführers zwischen den Hindernissen. Jeder Hundeführer hat einen anderen Hund. Es macht wenig Sinn, sich bei der Parcoursbegehung an anderen Sportlern zu orientieren, deren Hunde vielleicht einen ganz anderen Arbeitsabstand haben oder mit einem anderen Stil geführt werden. Erforderlich ist daher, dass der Hundeführer für sich und seinen Hund den optimalen Weg heraus findet, ohne sich von anderen Sportlern irritieren zu lassen. Hierfür gibt es einige Dinge zu beachten:
Start: wie werde ich den Hund vor dem ersten Hindernis absetzen? Handelt es sich um ein Gerät, das "abgesichert" werden muss (z.B. ein Reifen, der noch nicht voll "sitzt") oder um ein Gerät, wo nichts passieren kann (z.B. ein sicher sitzender Reifen, bei dem ja keine Stange fallen kann). In welchem Winkel zum ersten Sprung positioniere ich den Hund? Ich stelle mich hierfür selbst vor den Sprung und schaue mir an, was der Hund sieht (ggf. auch auf die "hündische" Höhe gehen). Ideal ist es, wenn der Hund den ersten und auch schon den zweiten Sprung sieht. Von welcher Position aus werde ich den Hund ggf. abrufen? In welchem Abstand zum ersten Hindernis setze oder stelle ich den Hund? Je weiter die Abrufdistanz ist, desto eher wird der Hund sich bemühen, möglichst rasch zu uns aufzuschließen und ggf. die erste Stange reißen.
Parcoursverlauf: den Weg des Hundes frei lassen! Bei der Parcoursbegehung nicht den Weg des Hundes laufen, sondern den Weg des Hundeführers ermitteln. Das heißt, nicht auf das Tunnelloch zulaufen, sondern neben den richtigen Tunneleingang. Die Parcourssituationen ermitteln, wo man als Hundeführer einen Moment stehen bleiben muss, um den Hund nicht voran in eine Verleitung zu drücken. Wo zeige ich mit welchem Arm und wo benutze ich gar keinen Arm. An welcher Stelle werde ich welche Hörzeichen verwenden? Auf welche Geräte (Verleitungen) darf ich an bestimmten Stellen nicht gucken, sondern muss konsequent auf das richtige Hindernis zu arbeiten? Immer wieder daran denken: was sieht der Hund? Was sieht er, wenn er aus dem Slalom kommt, was sieht er, wenn er aus dem Tunnel kommt? Weiß er zu jeder Zeit im Parcours, wo ihr euch befindet, oder müsst ihr euch an bestimmt Stellen, wenn der Hund im Tunnel ist, bemerkbar machen, weil ihr z.B. einen Seitenwechsel vollzogen habt? In welchem Winkel wird der Hund über ein Hindernis springen? Dieser Punkt hängt davon ab, wie er sich dem Hindernis nähert. Das kann man durch Führtechnik beeinflussen und so steuern, dass nicht eine Verleitung, sondern das korrekte Folgehindernis genommen wird. An welchen Stellen muss ich den Hund ansprechen, an welchen sollte ich das tunlichst nicht tun?
Ziel: Der Parcours endet erst nach dem letzten Hindernis. Häufig fällt die letzte Stange, weil der Hundeführer sich gedanklich schon im Ziel wähnt.
Merken des Verlaufs: Hierfür gibt es verschiedene Techniken. Man kann sich den Parcours z.B. in Bildern merken und als relevante Positionen die Kontaktzonenhindernisse nehmen. Wie nähere ich mich dem Steg, wie der Wand, wie der Wippe? Ich selber merke mir den Verlauf mehr in Bögen, also nicht 1-2-3-4 usw., sondern z.B.: rechts geführt die Außenrunde, dann die Welle, links rum den kleinen Bogen, Wechsel an Stelle x und dann rechts geführt durch die Mitte nach Hause. Oft bestehen die Parcours wenn man sie in "Kreise" aufteilt lediglich aus drei Kreisen, die man sich merken muss. Nach der Parcoursbegehung stelle ich mich bei schwierigen Parcours noch mal an den Rand (ohne zu gucken) und gehe den Parcoursverlauf gedanklich durch, wobei ich die Handbewegungen und die Drehungen auf der Stelle vollziehe. Das sieht vermutlich etwas schlafwandlerisch aus, hilft aber. Selbst auf der WM 2002 habe ich Teilnehmer gesehen, die das etliche Male vor dem Start praktiziert haben. Ihr seid also in bester Gesellschaft! Anschließend schaue ich mir noch einige wenige Läufe an, um den Verlauf wie ich ihn mir eingeprägt habe abzusichern und evtl. nicht erkannte Tücken des Parcours noch zu entlarven. Den Laufweg ändere ich anhand der Läufe anderer Teilnehmer aber nicht mehr!
Wenn ihr euch dann im
Parcours doch verlauft: es war euer Fehler! Lasst den Hund nicht die große
Enttäuschung spüren, er wird schon gemacht haben, was ihr ihm gezeigt habt.
Möglichst gut und rund zu Ende laufen, sofern das erlaubt ist, und den HUND
LOBEN! Auch wenn es ein
DIS
war. Er soll doch beim nächsten Start wieder freudig bei der Sache sein!
Und noch ein Punkt: Die Parcoursbegehung ist auch im Training wichtig. Nicht einfach drauflos laufen und dann x-mal korrigieren! Auch wenn im Training das Laufen eines kompletten Parcours die Ausnahme ist, sondern mehr Sequenzen geübt werden, sollte man immer mal eine komplette Parcoursbegehung üben und anschließend ablaufen wie geplant. Ein guter Trainer sieht die Fehler, auch wenn der Hund gar nicht dabei ist. Warum solche Dinge nicht auch mal ohne Hund, sondern im "Trockentraining" üben?